ABC des achtsamen Horsemanship

 
A Achtsamkeit

Achtsamkeit ist die Grundlage für die Art von Horsemanship, um die es hier geht. Achtsamkeit bedeutet das aufmerksame Wahrnehmen des eigenen Selbst: wie geht es Dir heute, welche Gedanken und Emotionen beeinflussen Dich im Moment. Bist Du präsent, bist Du klar, weißt Du, was Du willst, bist Du angespannt oder locker etc. ebenso wie das achtsame Wahrnehmen des Pferdes mit seinen Charaktereigenschaften, seinem Zustand und seinen Befindlichkeiten. Neben dem Fokus auf die Schulung der Wahrnehmung, legt achtsames Horsemanship den Fokus auf die Weiterentwicklung und Vertiefung deiner Fähigkeiten, den eigene emotionalen, geistigen und körperlichen Zustand bewusst zu wählen. So betrachtet, ist achtsames Horsemanship eine Schule für persönliche Weiterentwicklung mit dem Pferd als Lehrmeister auf dem Weg zur Meisterschaft.

 

B Bild

Im Rahmen des achtsamen Horsemanship arbeitest Du viel mit inneren Bildern, die Dir helfen, deine Vorstellung von dem was Du umsetzen möchten, zu verwirklichen. Um dem Pferd ein guter leader sein zu können, ist es zum Beispiel wichtig, Sicherheit auszustrahlen. Hast Du ein starkes inneres Bild von Dir, in dem Du Dich sicher und stark fühlst und kannst Du es im richtigen Moment aktivieren und auch fühlen, hast Du sofort eine andere Ausstrahlung, die dein Pferd bemerken wird.

C Charakter

Jedes Pferd hat einen anderen Charakter. Bei der Schulung der Wahrnehmung im achtsamen Horsemanship, schulst Du auch die Wahrnehmung der individuellen Charaktereigenschaften des Pferdes. Zum einen durch Beobachten, zum anderen durch das sich Einfühlen auf die Reaktionen des Pferdes. Es ist wichtig, dass Du lernst, Pferde ihrem Charakter nach einzuschätzen, denn jedes Pferd ist anders. Es ist wichtig, dass Du erkennst, was das Pferd braucht. Ist es ängstlich und braucht in erster Linie Sicherheit. Oder ist es mutig und stark und braucht in erster Linie eine klare Führung und gut definierte Grenzen, um sich bei Dir als leader langfristig wohl zu fühlen. Denk immer daran, dass es die Pflicht des Pferdes ist, Deine leadership Qualitäten zu hinterfragen. Wie Du weisst, bedeutet es für die Pferde Sicherheit und Überleben, wenn immer das stärkste und fitteste Pferd in der Rangordnung an erster Stelle steht.

 

D Durchhaltevermögen

Durchhaltevermögen brauchst Du, wenn Du Dir als Anfänger und Wiedereinsteiger die Grundlagen aneignen möchtest, um ein Pferd mit Achtung vor seiner Wesensart und gegenseitigem Respekt zu führen (achtsames Horsemanship) und mit dem Pferd harmonisch zu kommunizieren (achtsames Reiten).

 

E Emotionen/Einfühlungsvermögen

Emotionen kennzeichnen ganz wesentlich den Seinszustand von Pferden. Pferde sind grundsätzlich in ihrer Emotionalität zu begreifen. Das bedeutet, sie fühlen Deine Emotionen als Reiter ebenso, wie die Emotionen der Pferde die zum Beispiel mit in der Halle sind und sie haben ihren eigenen emotionalen Zustand. Nur wenn Du Dich als starker leader für Dein Pferd qualifizierst, kannst Du den emotionalen Zustand deines Pferdes mitbestimmen. Emotionen sind Information die als bestimmte Schwingungsfrequenz in Zehntelsekunden übertragen wird. Wenn Dein Pferd sich erschreckt, kommt seine „Schreckfrequenz“ bei Dir an und wird von Deinem Körper gefühlt. Auch wenn es nicht Deine eigene Emotion ist, spürst Du sie ganz schnell. Jetzt ist der Moment in dem Bewusstheit ins Spiel kommt und Du lernen musst, die Emotion zwar zu fühlen aber nicht auf sie zu reagieren. Du spürst die Emotion, wie eine Welle durch dich durch laufen und bleibst selbst innerlich völlig ruhig und klar.

Diese Situationen gilt es bewusst zu üben , damit du sie als Leader deines Pferdes sie auch in unvorhergesehenen Schrecksituationen abrufen kannst.

 

F Führungsstärke

In der Welt der Pferde gibt es eine klare Rangordnung. Die Frage heisst: stehst Du über oder unter mir. Und diese Frage wird jeden Tag wieder neu gestellt und auch neu beantwortet. Denn in der Herde ist es eine Frage des Überlebens, ob die stärksten und fittesten Pferde das Sagen haben. Stell Dir einmal vor, dass stärkste Pferd in der Herde, der leader, das Alpha Tier verletzt sich in der Nacht das Bein. Am nächsten Morgen stellt keiner der anderen Pferde diese Frage: bist Du fit, kannst Du auf mich aufpassen? Wir nehmen also an, dies wäre der Fall. Dann würde kein Pferd in der Herde merken, dass der leader verletzt ist und die Herde im Falle eines Angriffs nicht aus der Gefahrenzone führen kann. Es ist also eine Frage des Überlebens, dass Pferde ständig die Rangordnung abfragen. Das tun sie auch bei Dir. Dein Pferd möchte einfach wissen, ob Du fit bist und auf es aufpassen kannst.
Nun stell Dir einmal vor, Du gehst mit Deinem Pferd die Straße entlang. Dein Pferd hat Dir schon fünfmal die Frage gestellt, bist Du fit, kannst Du auf mich aufpassen. Du hast es gar nicht gemerkt und Dein Pferd musste zu dem Schluss kommen, dass es heute auf Dich aufpassen muss. Es ist also tendenziell nervös und angespannt. Mit erhobenem Kopf hält es angestrengt in alle Richtungen Ausschau nach potentiellen Fressfeinden und Gefahren und ständig erschreckt es sich bei der kleinsten Kleinigkeit. Hast Du diese Situation auch schon einmal erlebt?

 

Plötzlich kommt ein Fahrradfahrer mit Hund an der Leine in schnellem Tempo auf Euch zu und Dein Pferd ergreift als guter leader die Flucht, um Dich und sich vor der Gefahr zu beschützen.

 

An diesem Beispiel möchte ich zwei Dinge verdeutlichen. Erstens: das Pferd kann nicht auf Dich aufpassen, weil es mit Dir in einer vom Menschen gemachten Welt lebt.

 

Zweitens: also musst Du auf das Pferd aufpassen. Und damit das möglich ist, ist es Deine Pflicht, Führungsstärke zu entwickeln.

 

G Geduld/gutes Training

Geduld brauchst Du vor allem mit Dir selbst. Dann kommt die Geduld für das Pferd von ganz alleine. Konzentriere Dich darauf, was Du entwickeln möchtest und erlaube Dir die Zeit, die es braucht, um alles zu lernen, was wichtig ist. Sei außerdem geduldig mit Deinem Pferd. Es gilt der alte Spruch: Noch ist kein Meister vom Himmel gefallen. Guck Dir an wie Kinder laufen lernen. Sie sind voller Vertrauen in den Prozess, versuchen es immer wieder bis es klappt. Hast Du schon einmal ein Kind beobachtet, dass völligst frustriert in der Ecke saß, weil das mit dem Laufen lernen einfach nicht klappen wollte? Also ich nicht. Hier und da sind sie vielleicht mal ein bischen ungeduldig, aber alles in allem läuft der Prozess so ab: Sie ziehen sich zu Beginn des Prozesses irgendwie hoch und freuen sich wie ein Schneekönig, wenn das klappt. Sie sind ultra stolz auf sich selbst und voller Freude über diesen Erfolg. Und dann plumpsen sie zurück auf ihren Hintern. Das tut vielleicht weh, dann wird das Gesicht verzogen und kurz geweint und dann wird’s wieder versucht und es wird sich über jeden kleinen Fortschritt gefreut. Dann kommen die ersten Schritte, nach denen hingefallen wird. Aber wieder wird sich ausgiebig gefreut und sofort weiter geübt. Und immer weiter, bis sie irgendwann so schnell rennen können, dass man kaum noch hinter her kommt. Genauso geht es am besten. Also lächle, wenn es nicht klappt und freu Dich über jeden kleinen Fortschritt, den ihr gemeinsam erzielt. Beende das Training immer mit etwas Positivem, und hör lieber zu früh auf, als zu spät.

 

H Horsemanship (achtsames)

 

Horsemanship (achtsames) bedeutet, ein mitfühlendes Verständnis für die Erlebniswelt des Pferdes zu haben und daraus abzuleiten, welche Anforderungen an Dich gestellt werden: wie kannst Du für das Pferd eine vertrauenswürdige Führung verkörpern (leader), um mit dem Pferd produktiv und bereichernd zusammen zu arbeiten.

 

I Intention

Im achtsamen Horsemanship arbeiten wir mit dem bewussten Setzen von Intentionen, also Absichten. Es ist wichtig, sich seiner Absichten bewusst zu werden, denn die Absicht bestimmt die Energie, die in Deine Handlung einfließt. Deine Absichten bilden die Grundlage Deiner Arbeit mit dem Pferd. Es gibt versteckte Absichten, die Dir vielleicht nicht bewusst sind. Ein Beispiel:
Hanna hat vor kurzem wieder mit dem Reiten begonnen. Als Mensch versucht Sie immer, es allen recht zu machen. Bloß keine Konflikte. Diese Absicht (es allen recht zu machen) wird auch in ihre Arbeit mit den Pferden einfließen. Die Pferde werden ihr das widerspiegeln. Sie wird schnell merken, dass die Pferde sich ihr bei dieser grundlegenden Absicht nicht anvertrauen können, weil die produktive Arbeit mit Pferden von uns immer verlangt, dass wir uns als leader qualifizieren. Wird sich Hanna dieser Absicht bewusst, kann sie eine neue Absicht = Intention für die Arbeit mit Pferden setzen. Zum Beispiel: als achtsamer leader bestimme ich den Kurs meines Pferdes. Weil Pferde so gute Lehrmeister sind, kannst Du anhand ihres Verhaltens ablesen, wie stark deine Absicht ist und wie sehr sie dein Handeln beeinflusst. Dabei musst Du nicht perfekt sein. Du kannst die Absicht sehen wie einen Wegweiser, an dem sich Dein Handeln ausrichtet. Gib Dir Zeit zu lernen. Deine Absicht wird sich schließlich in Deinem Handeln und in deinen Ergebnissen manifestieren, wenn Du ihr vertraust.

 

J Jetzt

 

Im achtsamen Horsemanship üben wir im jetzigen Augenblick präsent zu sein. Der einzige Augenblick der jemals existiert. Die Vergangenheit ist vorbei, wir können sie nicht mehr ändern. Die Zukunft hat noch nicht begonnen. Wenn wir mit unseren Gedanken in der Vergangenheit oder in der Zukunft sind, sind wir nicht im jetzigen Moment präsent.

Das sich Verankern in der Gegenwart im jetzigen Moment funktioniert gut, wenn Du Dich auf Empfindungen in Deinem Körper konzentrierst, also Deinen Körper fühlst, oder wenn Du Dich auf Deinen Atem konzentrierst.

Besonders wenn´s schwierig wird, ist es wichtig, ganz präsent zu sein im jetzigen Moment und sich vom Denken aufs Fühlen zu konzentrieren. Was fühle ich gerade? Sei Dir sicher, dass Dein Pferd das schon längst weiß bzw. schon längst fühlt und dass es den Zustand Deines Pferdes beeinflusst. Nur wenn Du im Moment präsent bist, hast Du Zugang zu den besten Lösungsmöglichkeiten. Wenn Du mit Deinen Gedanken in der vergangenheit bis oder Dich um die Zukunft sorgst, grefst D

 

 

K Klarheit/ Know How

Klarheit bedeutet das Einssein mit dem Moment. Ohne Urteil akzeptierst Du den jetzigen Augenblick voll und ganz und bist im Einklang mit allem was ist. Klarheit ist ein ganz wesentlicher Baustein für Erfolg im achtsamen Horsemanship. Weißt Du, was Du willst im jetzigen Moment? Klarheit kann sich nur dann wirklich einstellen, wenn Du im Augenblick präsent bist. Kreisen deine Gedanken unruhig oder aufgeregt um eine Frage? Ist dein emotionaler Zustand geklärt, oder bist Du von Deinen Emotionen beherrscht. Pferde sind ausgezeichnete Lehrmeister, für Präsenz und Klarheit.

 

L Leadership

 

Leadership ist das zentrale Prinzip im achtsamen Horsemanship. Weil Pferde nur in einer hierarchischen Rangordung denken können und weil wir sinnvoller Weise nur über dem Pferd stehen können in der Rangordnung, haben wir die Pflicht uns als vertrauenswürdige leader zu qualifizieren. Was Du dafür brauchst, lernst Du unter anderem hier.

 

M Meinung

Bei der Arbeit mit Pferden ist es wichtig, eine Meinung zu haben. Das hängt mit dem Prinzip der Rangordnung zusammen und dem daraus resultierenden Anspruch an Dich dem Pferd gegenüber als ranghöher akzeptiert zu sein. Wenn Du nicht weißt, was Du willst und was Du von Deinem Pferd erwartest, wenn Du also keine Meinung hast, kannst Du dein Pferd nicht führen. Bedeutet das, dass Du immer und in jedem Moment genauestens wissen musst, was Du willst und es keine Momente des Zweifels geben darf? Nein. Zweifel und Unsicherheiten gehören zum Lernprozess dazu und dein Pferd kann sie verkraften, wenn Euer Verhältnis ansonsten von klaren Ansagen und einer sicheren Ausstrahlung von Dir geprägt ist.

 

N Natur des Pferdes

Prägend für die Natur der Pferd ist folgender Satz: Pferde sind Fluchttiere. Pferde sind Fluchttiere. Pferde sind Fluchttiere. Ihr wichtigster Antrieb ist es zu überleben und für ihre größtmögliche Sicherheit zu sorgen. Das tun sie, indem sie zum Schutz des Einzelnen in einem Herdenverband zusammen leben, in dem es eine klare Rangordnung gibt. Jeden Tag wird die Gültigkeit der Rangordnung überprüft, um sicher zu stellen, dass immer die fittesten und stärksten Tiere die Herde führen. Die Arbeit von Mark Rashid und dem von ihm geprägten Prinzip des soft leadership stellt heraus, dass Pferde dabei, wenn sie die Wahl haben, sich dem soft leader anschließen. Dem Pferd
also, das stark und klar eine Führungsposition übernehmen kann, aber dafür sorgt, dass es den Pferden in der Herde gut geht.

 

O Ordnung

im Zusammenhang mit achtsamen Horsemanship bedeutet Ordnung das Ineinandergreifen aller hier beschriebenen Prinzipien in der richtigen Reihenfolge. Ordnung meint: das Pferd kennt sich aus. Es weiß, was von ihm erwartet wird im jeweiligen Moment. Wie es sich zu benehmen hat und wie nicht. Du weißt, was Du willst und wie Du Deinen Wunsche klar an das Pferd kommunizieren kannst. Ordnung bedeutet auch, Du kennst Dich aus. Du kannst das Verhalten und die Reaktionen deines Pferdes einordnen und weist was zu tun ist, wenn das Pferd sich nicht „richtig“ verhält.

 

P Präsenz

Präsenz meint das vollkommene Dasein im Moment. Es ist ein Zustand, in dem Du nicht in Gedanken bist, sondern deinen Fokus darauf richtest, die Empfindungen deines Körpers zu fühlen und alles wahrzunehmen, was gerade geschieht, ohne darüber zu urteilen. Präsenz bedeutet das Einssein mit allem was ist in diesem Moment. Wenn Du präsent bist, bist du gleichzeitig innerlich gelassen und ruhig und dabei von wacher Aufmerksamkeit. Die Schulung und bewusste Vertiefung von Präsenz ist wesentlich für die Qualität deines Horsemanship. Pferde spüren den Grad an Präsenz einer Person unmittelbar und reagieren darauf.

 

Q Qualität der Signalgebung

 

Alle Prinzipien und Zusammenhänge die hier erläutert wurden, fließen in die Qualität deiner Signalgebung ein. Hast Du die Fragen nach der Rangordnung bereits beantwortet und bist von Deinem Pferd für diesen Tag als leader anerkannt worden? Erst dann bis Du in der Lage, Signale zu geben, die dein Pferd als Aufforderung verstehen kann. Du hast also sicher gestellt, dass Du in Eurer Beziehung die Ansagen machen darfst.Nun stell Dir einmal vor, wie unangenehm es für Dich wäre, wenn Du Dich einer Führungsperson anvertraust, die dir missverständliche, widersprüchliche oder einfach unklare Ansagen macht und selbst nicht zu wissen scheint, wo sie überhaupt hin will. Trotzdem, dass Du ihr eigentlich gerne folgen möchtest, kannst Du in so einer Situation nur Fehler machen und wirst irgendwann frustriert und enttäuscht sein. Du wirst ebenfalls ihren Anspruch an leadership zu Recht mit der Zeit in Frage stellen. Du wirst Dich nicht sicher und geborgen fühlen, wenn Du mit einer solchen Art von leadership zu tun hast. Deinem Pferd wird es genauso gehen, wie Dir. Es ist also wichtig, dass Du klare Signale gibst, weisst was Du willst, mit inneren Bildern arbeitest und eine starke mentale Vorstellung davon hast, was Du erreichen willst. Wenn es nicht klappt, stellst Du zunächst die Frage, ob das Pferd die Aufgabe verstanden hat und keine körperlichen Beeinträchtigungen vorliegen, die evtl. die Ausführung der Aufgabe behindern. Erst wenn Du weißt, dass beide Kriterien erfüllt sind, darfst Du Dein Pferd Du merkst, dass Du das alles nicht leisten kannst und kriegst Panik? Ich gratuliere Dir. Denn jetzt bist Du an einer Stelle angelangt, an der Du die richtigen Dinge üben und verfeinern kannst.

 

R Rangordnung

 

Rangordnung ist ein wesentliches Prinzip, das von grundlegender Bedeutung ist, um Pferde zu verstehen. Bei Pferden gibt es eine klare Rangordnung und damit einen klaren Platz in der Herde.
Eine klare Rangordnung ist mit das wichtigste Überlebensprinzip der Herde, denn das Überleben der Herde hängt davon ab, dass immer die fittesten, stärksten und klügsten Pferde das Sagen haben. Weil sich die Fitness von Pferden schnell ändern kann, durch eine Verletzung beispielsweise, wird die Rangordnung ständig abgefragt und muss ständig neu bestätigt werden. Dabei solltest Du Dir klar machen, dass es für ein Pferd gar kein Problem darstellt an welchem Platz der Rangordnung es steht, solange die Rangordnung klar ist. In Deiner Beziehung zum Pferd muss klar sein, dass Du über dem Pferd stehen musst. Diesen Platz musst Du kontinuierlich bestätigen und immer wieder neu klar stellen. Warum? Weil wenn das Pferd denkt, es muss auf Dich aufpassen, dann tut es das, indem es rechtzeitig die Flucht ergreift. Und weil Du kein Pferd bist und ihr nicht in freier Wildbahn, sondern in einer vom Menschen gemachten Umgebung lebt, funktioniert diese Strategie definitiv nicht. Pferde sind aber in hohem Maße fähig dazu, sich Menschen anzuvertrauen, sich an Reize zu gewöhnen und ihren Fluchtimpuls fast gänzlich abzulegen, wenn die Bedingungen dafür gegeben sind. Diese sind: gutes Training, starke Führung und ein gutes Vertrauensverhältnis (siehe Sicherheit)

 

S Sicherheit

 

Sicherheit bedeutet für das Pferd , dass es sich den stärkeren und fittesten Pferden unterordnet und rechtzeitig flieht, wenn Gefahr droht. Sicherheit bedeutet es „in tune“ zu sein mit den anderen Pferden, deren Gefühls- und Körperzustand genauestens wahrzunehmen, um a) die Rangordnung zu überpüfen : ist der Herdenführer körperlich fit und haben die anderen Pferde Angst oder sind aufgeregt. Und wie passen Pferde in der Herde aufeinander auf? b) so schnell wie möglich die Signale von anderen Pferden wahrzunehmen, und zu flüchten. Du siehst also, dass es unabdinglich ist, dass Du auf Dein Pferd aufpasst und nicht umgekehrt.

 Sicherheit in Deiner Beziehung zum Pferd kommt durch klare Führung und systematische Gewöhnung an vielfältige Reize und Schrecksituationen. Klar, Pferde sind Fluchttiere und sich zu erschrecken liegt in ihrer Natur. Allerdings ist ein Pferd, das sich wegen jeder Kleinigkeit aufregt und grundsätzlich angespannt und nervös ist gefährlich. Und ein Pferd, das sich häufig oder dauerhaft in diesem Zustand befindet, vertraut Deinem leadership nicht. Es hat also primär ein Problem mit Deiner Führung als es ein Problem hat mit den Kleinigkeiten, über die es sich aufregt.

Lerne also, Deinen Adrenalin Level unten zu halten, indem Du Deine Gefühle bewusst wahr nimmst und Dich für Ruhe und Entspannung entscheidest, wenn sich Dein Pferd erschreckt.

 Mach Dir einmal klar, dass Pferde von der Polizei eingesetzt werden und Jahrhunderte lang mit Menschen in den Krieg gezogen sind. Überlege einmal, wie vielen Schreckmomenten und Gefahren sie dort ausgesetzt sind. Trotzdem Pferde Fluchttiere sind, tun sie für „Ihre“ Menschen fast alles. Durch gutes Training, klare Führung und ein starkes Vertrauensverhältnis bieten sie emotional aufgewiegelten Fussballdemonstranten die Stirn, die mit Leuchtraketen schießen, lassen sie sich auch von Feuer nicht aus der Ruhe bringen oder von Kananongedonner und Schlimmerem.

Sicherheit im Zusammenhang mit dem Pferd erlangst Du, wenn das Pferd Dir vertraut, Du die klare Führung übernimmst und Du es durch systematisches Training an viele „Gefahren“ gewöhnt hast.

 

T Timing

Gutes Timing kommt erst dann richtig ins Spiel, wenn Du Dir die Grundlagen des achtsamen Horsemanship bereits erarbeitet hast. Die Grundlagen sind a) Dein Pferd erkennt Dich im Moment als leader an b)Du bist klar und weißt was Du willst c) dein Pferd hat die Aufgabe verstanden und weiß auch was Du willst.

Jetzt kannst Du an Deinem Timing arbeiten. Besonders der Moemnt des „release“ ist hier wichtig, also der Moment in dem Du Druck weg nimmst und dem Pferd damit signalisierst, dass es alles richtig gemacht hat. Er sollte sofort erfolgen, wenn das Pferd den Schritt in die richtige Richtung macht.

Ein Beispiel: Ihr übt daran, dass das Pferd sich nicht erschrickt, wenn Du mit ihm über eine Plastikplane gehst. Die ersten paar Mal weigert sich das Pferd, Deiner Aufforderung zu folgen, über die Plastikplane zu schreiten und weicht rechts oder links von der Plane aus, bzw. geht keinen Schritt mehr vorwärts. Du forderst Dein Pferd immer wieder auf, über die Plane zu gehen. In dem Moment, wo es einen Schritt auf die Plane drauf macht, nimmst Du sofort den Druck weg und lobst dein Pferd.

 

 

U Unterricht

 
Im achtsamen Horsemanship findet Unterricht von beiden Seiten statt: Du unterrichtest Dein Pferd und Dein Pferd unterrichtet Dich. Deine Aufgabe als Lehrer besteht darin, dem Pferd klar zu machen, dass es Dir jederzeit vertrauen kann. Dass Du ein verlässlicher und konstanter Partner bist. Darüber hinaus ist es Deine Aufgabe als Lehrer, das Pferd systematisch an Ereignisse zu gewöhnen, die in Eurer gemeinsamen Zeit wahrscheinlich auftreten werden. Am besten gehst Du dabei ein wenig über das zu Erwartende hinaus und baust so eine größere Toleranz auf, für unvorhergesehene Ereignisse. Welche Ereignisse könnten wahrscheinlich sein?
Mach eine Liste mit Dingen von denen Du möchtest, dass Dein Pferd sie toleriert: Alleine ins Gelände gehen (Trennungsangst ist ein Zeichen dafür, dass Dein Pferd Dich nicht als leader anerkennt), Spaziergänger mit Hunden, Wildschweine im Gebüsch, Fahrradfahrer, die von hinten überholen und von vorne entgegen kommen; vorbei fahrende laute Autos. Zur Erweiterung des Toleranzbereiches: raschelnde Planen, Plastikplanen zum drüber gehen, schreiende und rennende Kinder. Verstehe, dass Du Dein Pferd a) tatsächlich an spezifische Reize gewöhnst b) Euer Vertrauensverhältnis testest und ausbaust. Du beweist Dich jedes Mal als leader, wenn Du Dich bewusst nicht aufregst oder nervös wirst, wenn Dein Pferd nervös wird. Schaffe Dir diese Situationen bewusst. So kannst Du Dich erstens darauf einstellen, dass das Pferd sich erschreckt und Du Dich vielleicht auch. Zieh Dir Schuhe an, die einen Pferdehuf aushalten können. Übe auf einem Reitplatz auf dem Du niemand anderen gefährdest. Übe den Moment in dem Dein Pferd sich erschreckt: Fühle, wie Du die Emotioen des Pferdes ebenfalls fühlst. Sei Dir bewusst, dass es nicht Deine eigene Emotion ist, dass sie aber durch Dich hindurch wandern kann , als ob die Deine eigene ist. Wähle bewusst, dass Du ruhig und entspannst bist indem Du mit einem inneren Bild von Dir als ruhiger und entspannter leader arbeitest, dass Du schnell aktivieren kannst. Sende Deinem Pferd ganz bewusst die Aufforderung, sich zu entspannen.

 

V Vertrauensverhältnis

 

Ein starkes Vertrauensverhältnis ist enorm wichtig, um produktives und sicheres Arbeiten mit Deinem Pferd zu ermöglichen. Das erarbeitest Du Dir über die Zeit. Was dir dabei sehr helfen kann sind Präsenz, ein starkes know how und die stetige Vertiefung Deiner Führungsstärke.

 

W Wiederholung

 

Wiederhole die Grundlagenlektionen häufig und sei geduldig mit Dir. Nur durch Wiederholung kann sich das Gelernte so festigen, dass Du Dich auch in schwierigen Situationen darauf verlassen kannst. Einmal ist keinmal. Wenn dein Pferd einmal eine Aufgabe erledigt hat, ist das ein guter Anfang, heisst aber noch lange nicht, dass es grundsätzlich klappt. Nur durch Wiederholung der gestellten Aufgaben und durch Wiederholung der Ausführung seitens des Pferdes kommt ihr wirklich voran.

 

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Z Ziel

das Ziel auf das wir hin arbeiten ist: Die Etablierung einer verlässlichen Partnerschaft mit dem Pferd. Verlässliche Partnerschaft bedeutet, dass das Pferd Deine Führungsanspruch akzeptiert und sich wohl fühlt dabei. Es kennt seine Aufgaben und kann sie zuverlässig ausführen. Du bist ihm ein verlässlicher Partner, weil Du weißt was Du von Deinem Pferd erwartest und diese Erwartung immer auf die gleiche Weise kommunizierst.